Die schwimmende Insel

Wenn man von Oldenburg nach Moorriem geht, so erreicht man bei dem Dorfe Moorhausen einen dunklen, stillen Teich. Erlen und Schilf umgeben ihn. Auf diesem Teich ist eine kleine schwimmende Insel, die der Wind hin- und her treibt. Von ihr erzählen die Leute eine Sage.

Wo jetzt der Teich ist, da stand einst ein großes Bauernhaus. Darin wohnte ein Bauer, der hatte viel Land und viel Vieh. Als er alt wurde, übergab er seinem Sohne die Stelle, der aber war nicht wie seine Eltern. Er war hart und grausam gegen seine Leute und gönnte auch dem alten Vater und der alten Mutter nicht das liebe Brot. Endlich trieb er sie gar aus dem Hause hinaus. Weinend verließen die beiden Alten das stolze Bauernhaus, in dem sie so lange glücklich gewesen waren und irrten hinaus in das wilde Moor. Am Himmel aber zog es heraus, schwarz und düster. Rote Blitze flammten auf, der Donner grollte, der Sturm heulte und der Regen goss herab. Als sich das Unwetter gelegt hatte, war von dem stolzen Bauernhause nichts mehr zu sehen. Wo es gestanden hatte, da war ein tiefer Teich. Tief unten aber, auf dem Grunde des Gewässers, steht noch immer das stolze Bauernhaus, aus dem der hartherzige Bauer Vater und Mutter vertrieben hat. Sehen aber kannst du ihn nicht. Die schwimmende Insel lässt niemand hinabschauen auf das versunkene Haus.

 Reithdachhaus_1

 

Die Sage vom verborgenen Schatz in Moorriem   (von  Hans-Georg von Pape)


Es ist schon lange her, da soll in Huntorf ein großer Schatz verborgen gewesen sein. Viele Moorriemer hatten bereits versucht, den Schatz zu heben. Doch sie alle scheiterten immer wieder daran, dass sie während des Schatzhebens redeten, obwohl sie die Auflage kannten, während der Arbeit kein Wort sprechen zu dürfen.
Nun war es wieder einmal soweit. Zwei Männer hatten den Schatz schon fast gehoben, als kurz hintereinander zwei Reiter hoch zu Roß an ihnen vorbeiritten. Der erste war sehr in Eile und der zweite, dessen Pferd lahmte, schien den ersten Reiter einholen zu wollen, was jedoch offensichtlich ein schwieriges Unterfangen war. Um nämlich voranzukommen, musste der zweite Reiter zunächst das lahme Bein des Pferdes einen Schritt voraussetzen und danach wieder aufsitzen. Wenn dann das Pferd seine drei gesunden Beine selber weitergesetzt hatte, musste er wiederum absitzen, um dem Pferd bei dem Voraussetzen des lahmen Beines erneut behilflich zu sein. Auf diese Weise kam er zwar vorwärts, jedoch nur so langsam, dass eine Schnecke sein Vorreiter hätte sein können.
Dieser sonderbare Reiter fragte nun die Schatzsucher: „Wat meent jo, kann ik den Rieder voer mi woll inholen?“
„Magst woll den Duwel inholen!“ antworteten die beiden Schatzsucher – ihr Gelübde vergessend -, und auf der Stelle verschwand der ganze Schatz.

Worum de Moorriemer Boen so lang un small wurden sind


In ol Tieden wahnen an de Werser Fischers; denn dat Öwer leeg wat höger. Wieter achterto kunn domals noch nums wahnen. De Fischers harrn all, war se wulln. Ehr ging`t got. Eenmal is keemen fromde Keerls na ehr un frogen an, of se nich`n Stuck Land kriegen kunnen. Se harrn nix. "Land", seen de Fischers, "könt Ji sass kriegen, dar hebbt wi noog van! Woväl brukt Ji denn?" De Keerls meenden: "Dat könt wi jo mit`n Foot aftreen!" Do kreegen de Fischers dat Lachen un seen: "Dat schall woll nich gahn! Versökt aber is, of Ji woll teinmal denn Foot tosetten könt!" Awer dat ging nich. Na`n paar Trä seten se al in`n Schiet fast. Se wunnerden sich un makten grote Ogen. Van sulwst weern se al insackt. De Saak wurr nu awerleggt, wi`t to maken weer. Tolest nehmen de Fischers ehr Netze un fungen an, darmit aftometen. Fischnetze sund ja lang und small. So sund denn ok hier in Moorriem de Boen so lang un small wurden.

Und hier die Übersetzung für die weniger plattdeutsch Bewanderten:

Warum die Moorriemer Grundstücke solang und schmal geworden sind


In alten Zeiten wohnten an der Weser Fischer, denn das Ufer lag etwas höher. Weiter hinten im Land konnte damals noch niemand wohnen. Die Fischer hatten alles, was sie wollten. Ihnen ging’s gut. Einmal kamen fremde Männer zu ihnen und fragten an, ob sie nicht ein Stück Land bekommen könnten. Sie hätten nichts. „Land“, sagten die Fischer, „könnt ihr wohl bekommen, davon haben wir genug! Wieviel braucht ihr denn?“ Die Männer meinten: „Das können wir ja mit den Füßen abschreiten!“ Da fingen die Fischer an zu lachen und sagten:“Das soll wohl nicht gehen! Probiert aber mal, ob ihr wohl zehn Schritte machen könnt!“ Aber das ging nicht. Nach ein paar Schritten saßen sie schon im Dreck fest. Sie wunderten sich und machten große Augen. Von allein waren sie schon eingesunken (-gesackt). Die Sache wurde nun überlegt, wie’s zu machen wäre. Zuletzt nahmen die Fischer ihre Netze und fingen an, damit abzumessen. Fischernetze sind ja lang und schmal. So sind denn auch hier in Moorriem die Bauen (Grundstücke) so lang und schmal geworden.

Wir würden uns freuen, wenn noch weitere Sagen und Legenden über Moorriem hier hinzugefügt werden könnten!